Ein Sklave, zwei Sklaven – kein Sklave
Ich hob ein Bein, lehnte mich halb auf Samuels Arsch, rieb mich an ihm. Er, der die ganze Zeit nichts gesagt hatte, murmelte jetzt auf einmal etwas. Ich musste ihn auffordern, es zu wiederholen, denn ich hatte es nicht verstanden.
“Ich wünschte, mein Freund wäre hier”, keuchte er. Aha – er hatte also einen Freund, mit dem er schon über SM geredet hatte. Und mit dem gemeinsam er gerne unter unserer Fuchtel stünde. Nun denn – wenn der Freund nicht allzu weit weg wohnte, ließ sich das ja machen. Zwei Männer gleichzeitig beherrscht hatte ich schon lange nicht mehr, und ich hatte auf einmal Lust darauf. Große Lust.
Aufgeschoben ist nicht …
Ich hätte es mir ja denken können, dass auch einer Domina Selbstsucht nur begrenzt erlaubt ist. Samuel ist noch zu seiner SM Session gekommen, und zwar am nächsten Abend. Tagsüber habe ich ihn zwar nicht gesehen; da verbrachte ich viele Stunden mit seiner Mutter. Wirt waren wandern, shoppen, besuchten Leute …
Wir verstanden uns sehr gut, und ich spürte sogar die ersten Regungen einer prickelnden Erotik. Wäre da nicht ihr Sohn gewesen, ich glaube, ich hätte es darauf angelegt, dass der Abend in einer Session zu dritt endet.
Selbstsucht
Nachdem ich bekommen hatte, was ich wollte, blieb ich erst einmal eine Weile ganz ruhig liegen und genoss dieses herrlich entspannte Gefühl, das man wirklich nur nach dem Orgasmus hat. Am liebsten wäre ich eingeschlafen – aber wer kann schon schlafen, wenn ein Mann über einem schwebt?
Ich musste Samuel ganz dringend wieder loswerden; und mir war klar, dass er nur gehen würde, wenn er auch sexuell etwas von unserer Begegnung gehabt hatte.
Das Pendel
Ich blieb stehen, beobachtete Samuel. Er atmete schnell, das konnte ich hören. Seine Augen und sein Gesicht konnte ich nicht sehen, denn er hielt den Kopf nach unten gesenkt, gab der Schwerkraft nach.
Mir kam in diesem Augenblick eine Erkenntnis. In der Sadomaso Erotik sind oft die Partner austauschbarer als in jeder anderen Beziehung; zumindest am Anfang, und zumindest dann, wenn es nur um eine Session geht, ohne den Tiefgang der Gefühle.
In der Schwebe
Im ersten Augenblick habe ich mich schon ein bisschen geschämt, dass mich ein fremder Mann so offen beim Masturbieren erwischt hatte. Aber dann packte mich die Wut. Was bildete dieser Kerl sich eigentlich ein, ohne zu klopfen so ganz frech in mein Zimmer zu platzen, als ob er irgendwelche Rechte hätte?
Ich schloss den Bademantel und sprang vom Bett. Breitbeinig stellte ich mich vor Samuel. Ich konnte mir das leisten, denn ich war noch immer mindestens fünf Zentimeter größer als er; und zwar sogar barfuß, ganz ohne High Heels.
“Osterfeuer”
Nein, ich werde mir jetzt sämtliche frivolen Anspielungen auf bunte Eier sparen; dass Ostern ist, davon habe ich in dem SM Hotel nicht allzu viel von mitbekommen. Und dass ich fast nicht vor der Tür war, liegt auch nicht daran, dass ich die Ostereier lieber im Zimmer gesucht habe, auch nicht an dem doch etwas kalten und freudlosen Wetter, sondern daran, dass ich beschäftigt war …


