Nachhauseweg

3. Dezember 2009

Auf dem Nachhauseweg grübelte ich sehr intensiv über all das nach, was mir während meiner ersten Session im Domina Studio durch den Kopf gegangen war. Ich hatte auch keine Lust, schon zu Phil zurückzukehren.
Ich wollte noch eine Weile für mich sein und in aller Ruhe nachdenken; deshalb suchte ich mir ein Parkhaus, ein ruhiges Café, trank einen Kaffee und sinnierte vor mich hin, weit gehend ungeordnet.

Der Sklave und seine sexuelle Befriedigung – das war ein entscheidender Punkt, darüber musste ich unter anderem nachdenken. Wie hingen diese Dinge zusammen, Submission und Höhepunkt?
Zumindest für die meisten devoten Männer, die ich bisher kennengelernt hatte, war der Orgasmus ein entscheidender Bestandteil ihres „Dienens“. Er war das erklärte Ziel, der eigentliche Zweck.
Vorher, bevor sie gekommen waren, taten sie alles; oft sogar widerspruchslos. Sie dienten, sie ließen sich foltern und peitschen und mit heißem Wachs betropfen. Das galt selbst für Dinge, die sie eigentlich nicht unbedingt mochten.
Aber kaum hatten sie ihren Höhepunkt, unterschieden viele devote Männer sich in nichts von anderen.
Dann war alles gelaufen. Entweder schnarchten sie, oder sie schauten sich ein Fußballspiel an, oder sie kehrten zu irgendeiner Tagesordnung zurück, die mit Submission und Dienen nichts zu tun hatte.
Es war einer der Gründe, warum ich mir als Domina immer zuerst meine eigene Befriedigung holte. Bekam ich sie nicht vor dem Orgasmus des Mannes, standen meine Aussichten sehr schlecht, sie überhaupt noch zu bekommen; oder wenn, dann höchstens noch irgendwie nebenbei und als Pflicht.
Natürlich, es gibt Männer, devote und andere, die lieben es nach dem Orgasmus ebenso wie Frauen, noch ein wenig zu kuscheln, zärtlich zu sein und so weiter. Aber es ist doch irgendwie so, als ob der Hauptantrieb danach auf einmal weg ist.
Wie eine Feder, die zurückgesprungen ist, jetzt nicht mehr funktionieren kann und erst wieder neu aufgedreht, gedehnt und gezogen werden muss, bevor sie ein weiteres Mal in Aktion treten kann.
Selbst im Rahmen einer längeren Keuschhaltung ist es eigentlich doch der Orgasmus, der einen Mann antreibt und ihn zum gehorsamen Diener seiner Domina macht, und nichts anderes.
Sobald er ihn bekommen hat, ist er kein Sklave mehr.
Das war ein Gedanke, den ich mir noch viele Male durch den Kopf gehen lassen musste, beschloss ich.
Aber dann half alles nichts mehr – ich musste zu Phil zurück, sonst würde der sich Sorgen machen. Vielleicht konnte ich ja mit ihm über all das reden? Oder nein – lieber nicht. Sonst wurde er am Ende noch eifersüchtig …


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