Robins Traum

30. Dezember 2009

Ich lehnte mich bequem zurück, schloss die Augen und lauschte ganz seiner dunklen Stimme, die bei jedem besonders dunklen Klang in meiner Brust irgendwo eine kleine Flamme entzündete.
Indem ich mich des Sehsinnes selbst beraubte, erhöhte ich meine Konzentration auf diese Stimme, auf ihren Tonfall und ihre Nuancen, und auf die gesprochenen Worte; eine ähnliche Wirkung, wie sie auch beim Sinnesentzug für Sklaven, beispielsweise beim Anlegen einer Augenbinde, entsteht.

Man entfernt einen Sinn – und die anderen reagieren darauf mit erhöhter Schärfe und Aufmerksamkeit.
Robin berichtete, es gehe eigentlich nur um eine einzige Szene, die ihn seit vielen, vielen Jahren regelrecht verfolgte, die er sehr oft, meistens mehrfach im Monat, mit immer wieder verschiedenen Variationen, in seinen Tagträumen erlebe, und die ihren Ursprung in einem echten Traum hatte.
Er muss noch sehr jung gewesen sein, höchstens 20 Jahre, als alles begann; mit einem Nachttraum, auf dem später die Tagträume aufbauten, der aber selbst ebenfalls häufig mit kleineren Abwandlungen wiederkehrte. Über die Ursachen dafür, wann er träumte, konnte Robin nichts sagen.
Er hatte keinerlei Gesetzmäßigkeiten im Auftauchen der Träume entdeckt; weder der Tagträume, noch der Nachtträume. Sie hingen nicht mit besonderer Anspannung oder Stress zusammen, nicht mit dem Vollmond, und überhaupt zumindest scheinbar mit nichts, das in seinem äußeren Leben eine Rolle spielte, sondern sie waren einfach da, überfielen ihn vollkommen unvermutet.
Die „Urform“ dieses Traums, die Geschehnisse aus dem ersten Traum mit 20, die konnte Robin mir nur sehr stockend schildern und ohne dass er etwas dazu sagen konnte, wie der Traum seinen Anfang genommen hatte, wie es zu der Situation gekommen war, die sich anschließend so absolut unentfernbar fest in seinen Gedanken festsetzte und ihn nicht mehr losließ..
So ist das nun einmal mit den echten Träumen; sie besitzen eine ganz eigene Logik, die sich unserer wachen Logik entzieht, die wir tagsüber mit dem Verstand einsetzen, ebenso wie unserem versuch, die auch nur ansatzweise in Worte zu fassen.
Dennoch konnte ich spüren, wie sehr dieser Traum Robin auch heute noch aufwühlte und durcheinander brachte. Seine Stimme zitterte und schwankte, sie brach manchmal, und sie steckte voller Emotionen.
Und die Situation, die das alles auslöste, war die folgend: Robin erinnerte sich, dass er nackt gewesen war und auf dem Boden gelegen hatte, mit schmerzenden Gliedern, völlig erschöpft, sich wie zerschlagen fühlend, und über ihm stand eine Frau, ihre Füße in Stiefeln bis über das Knie, die sein gesamtes Blickfeld füllten, und dann kam von ihr auf einmal die Frage: „Wirst du mir jetzt gehorchen?“
Der Ton der weiblichen Stimme muss kalt und streng gewesen sein. Robins warme, tiefe Stimme konnte ihn nur unzureichend nachahmen, obwohl er es versuchte. Unwillkürlich lief mir ein Schauer über den Rücken.
In diesem Augenblick sah ich mich selbst über einem nackten, zerschundenen, gefolterten Sklaven stehen und ihm diese Frage stellen, triumphierend in meiner Macht, selbstbewusst, herrisch.
Es war fast unheimlich, wie an dieser Stelle Robins alter Nachttraum und einer meiner Tagträume zusammenzulaufen schienen.
Es kam eine kurze Pause, bevor Robin weiter sprach. Nach dieser Frage hob er den Kopf, so sehr ihn diese Bewegung auch am ganzen Körper schmerzte, sah sie an, diese Frau, sah zu ihr hoch, nickte mühsam und sagte, heiser, rau, mit trockenem Mund: „Ja, ich werde gehorchen, Herrin.“
Woraufhin sie sich herabbeugte, sich neben ihn kniete, ihm mit einer kühlen Hand über den Kopf strich und ihn ganz sanft auf die heiße, von Schweißtropfen bedeckte Stirn küsste, mit Lippen, die ebenfalls kühl waren, aber nicht kalt.
An dieser Stelle war Robin aufgewacht, schweißüberströmt, mit einem wie rasend klopfenden Herzen, und mit einer Erektion – an dieser Stelle seiner Schilderung wand er sich hörbar vor Verlegenheit und umschrieb dieses Ereignis mit sehr dezenten Worten, die man im Deutschen unmöglich wiedergeben kann. Hätte ich es nicht ohnehin aus dem Zusammenhang erraten, was mit ihm geschah, ich hätte es ausschließlich aus seinen Worten möglicherweise nicht herauslesen können.
Er sagte, er habe anschließend noch lange wach gelegen, noch immer gefesselt, gefangen in der unglaublich intensiven Atmosphäre dieses Traums, nicht in der Lage, sich anderen Dingen zuzuwenden oder wieder einzuschlafen.
Noch nie habe er etwas erlebt, was sein ganzes Sein so sehr in Anspruch genommen und beschäftigt habe, schloss Robin mit belegter Stimme und schwieg.
Sicherlich erwartete er, dass ich nun irgendetwas sagen würde. Doch ich hielt die Augen noch immer geschlossen, dachte nach. Mir fehlte noch etwas, bevor ich mich zu diesem Traum äußern konnte.
Natürlich, ich hätte das sagen können, was auf der Hand lag – dass Robin ganz ersichtlich eine sehr starke, sehr tiefe devote Veranlagung besaß, die sich auf diese Weise ins Gedächtnis rief, weil er sie sich ansonsten gewiss nicht eingestanden hätte. Aber mit solchen Plattitüden wollte ich ihn nicht behelligen.
Ich war mir sicher, das wusste Robin schon sehr lange selbst, dass dieser Traum etwas mit dem Wunsch nach Hingabe zu tun hatte. Er erwartete etwas anderes von mir. Und bevor ich ihm das geben, bevor ich etwas sagen konnte, brauchte ich noch ein paar weitere Informationen von ihm.


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